Ev. Luth. Kirchgemeinde Pleißa

 

Andacht  


 

Zum zweiten Mal steht ein merkwürdiges Osterfest vor der Tür. Nahezu alle Deutschen werden auf gewisse Art in „Haft“ gehalten. Halb freiwillig soll jeder zustimmen, halb unfreiwillig wird jeder gestraft, der sich nicht daran hält. Wenn das Wetter den einen oder anderen verlockt, durch einen Park zu gehen, greifen sogleich alle möglichen Bestimmungen, wie viele Personen aus wie viel Haushalten sich überhaupt treffen dürfen. Zudem ist es in jedem Bundesland wieder anders.
Wie soll man sich in so einer Lage auf Ostern konzentrieren? Wie eine schwarze Wolke scheinen die Corona Bestimmungen alles zu überschatten. Kein Lebensbereich, nicht einmal der Krankenhausbesuch von Angehörigen über Ostern, verläuft unbeschwert oder leicht. Es ist wie eine furchtbare Last, die einem aufgezwungen wird und sich nicht abschütteln lässt. 
In einem Osterlied heißt es (EG 114,4f):
Quält dich ein schwerer Sorgenstein, dein Jesus wird ihn heben;
es kann ein Christ bei Kreuzespein in Freud und Wonne leben.
Wirf dein Anliegen auf den Herrn und sorge nicht, er ist nicht fern,
weil er ist auferstanden.
Geh mit Maria Magdalen und Salome zum Grabe,
die früh dahin aus Liebe gehn mit ihrer Salbungsgabe,
so wirst du sehn, dass Jesus Christ vom Tod heut auferstanden ist
und nicht im Grab zu finden.
Der Dichter des Liedes, Lorenz Lorenzen, vergleicht die Belastungen, die unser Leben schwer machen, mit dem Stein, der vor dem Grab Jesu war. Darum möchte ich uns kurz die Geschichte in Erinnerung rufen.
Am Karfreitag war Jesus öffentlich hingerichtet worden. Dann wurde er vom Kreuz abgenommen. Ein reicher Mann namens Josef von Arimathäa lies Jesus in seinem eigenen Grab beisetzen, einer in einen Felsen gehauenen Höhle, die mit einem Stein verschlossen wurde. Maria Magdalena und Salome (und noch andere Frauen) waren mit dabei.
Die Widersacher Jesus, die Pharisäer, hatten jedoch Angst davor, dass die Jünger kommen könnten um den Leichnam zu stehlen. Darum baten sie den römischen Prokurator Pontius Pilatus, das Grab zu versiegeln und eine Wache vor das Grab zu stellen. So geschah es. 
Jesus war tot, das Grab mit einem Stein verschlossen, versiegelt und bewacht. Am Ostermorgen machten sich die Frauen auf den Weg um den Leichnam noch einmal zu salben. Sie waren so voller Trauer, dass sie gar nicht mehr an den Stein gedacht haben. Doch als sie zum Grab kamen, waren die Wachen verschwunden, das Siegel aufgebrochen und der Stein weggehoben. Die Frauen gingen voller Schrecken und Furcht in das Grab hinein. Dort erschien ihnen ein Engel, der ihnen sagte, Jesus sei auferstanden. Auf dem Rückweg begegneten ihnen Jesus selbst. 
Ein schwerer Sorgenstein bedrückte die Frauen: Der Schwerste. Denn es gibt keine schwerere Last als den Tod. Und doch war dieser Stein schon weggehoben, als sie noch auf dem Weg waren. Sie trauerten noch, waren noch voller Kummer und Fragen, aber Jesus war bereits auferstanden und lebte. 
Natürlich konnten die Frauen das auf dem Weg noch nicht wissen und noch nicht glauben. So ähnlich kommt es mir manchmal vor, wenn ich an all die Sorgensteine denke, die uns quälen und zusetzen. Die Lasten und Sorgen des Lebens setzen wohl jedem zu. Nicht umsonst sagt der Volksmund „unter jedem Dach ein ach“. Es ist nicht leicht, bereits in diesem Augenblick darauf zu vertrauen, dass Jesus auch den Sorgenstein meines Lebens wegheben kann und wird.
Immerhin haben wir eine Hilfe: Denn wir wissen bereits, wie die Geschichte ausging. Jesus hat den Tod besiegt, er ist auferstanden und lebt. Dadurch gewinnt die Sorge der Frauen etwas ungewollt komisches. Sie sind auf dem Weg, haben vergessen, dass da ein Stein ist (oh nein, wer wird ihn zur Seite schieben?). Zugleich wissen wir schon, dass der Stein gar nicht mehr da ist. Dann gehen die Frauen ins Grab und suchen Jesus - dabei wissen wir schon, dass er gar nicht mehr darin zu finden ist. Zu guter Letzt taucht Jesus vor ihnen auf - hi hi und Tada!- und sie freuen sich über die Maßen. Der Sorgenstein hat sich in Luft aufgelöst und das Osterlachen bricht sich Bahn.
Auch unsere Sorge wird sich ganz gewiss auflösen. Sogar in „Kreuzespein“ kannst du „in Freud und Wonne leben“. Denn Jesus lebt. Wenn er die Sorge nicht in dieser Zeit von dir nimmt, dann jedoch ganz gewiss, wenn du ihn sehen wirst wie die Frauen ihn damals sahen: Lebendig vor dir stehend, an seiner Seite die Engel.


Den Segen des dreieinigen Gottes 

wünscht Ihnen

Ihr Pfr. Mika J. Herold