Ev. Luth. Kirchgemeinde Pleißa

 

Andacht  

29.06.2020

 Unglaublich, was in den letztem drei Monaten passiert ist. Wenn jemand vor einem Jahr gesagt hätte, dass wir 2020 alle nur mit Masken vor dem Gesicht einkaufen gehen werden, so hätten wir denjenigen nicht ernst genommen. Genauso unerwartet sind auch die wirtschaftlichen Konsequenzen der Krise. Die deutsche Wirtschaft ist marode: So soll z.B. in Chemnitz „Galeria Kaufhof“ schließen, ein Geschäft, das seit Jahrzehnten das Innenleben der Stadt und seiner Bewohner prägte. Die Folgen einer solchen Schließung sind nicht zu überblicken.Was können wir tun, was sollen wir tun? „Betroffen sein“? Oder resignieren? Hilflos die Nachrichten angucken und über uns ergehen lassen, was da geschieht. Der Wochenpsalm der neuen Woche erinnert an etwas ganz anderes. Es ist der Psalm 103, der mit den Worten beginnt:

Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

Verrückt, nicht wahr? Denn nach Loben ist kaum einem zumute, der die aktuellsten Corona-Horror-Meldungen liest. Nach wie vor haben die Medien nicht gelernt, sachlich und ausgewogen zu berichten, sondern nach wie vor werden die schlimmsten angstverbreitenden Zahlen frei Haus geliefert, die furchtbarsten Nachrichten hundert mal wiederholt.

Ich greife eine Information heraus: Immer wieder wird uns erzählt, wie viel „Infizierte“ es gibt. Dabei ist diese Information vollkommen unerheblich. Denn es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen „Infektion“ und „Infektionskrankheit“. In Deutschland sind z.B. über 90% mit Herpesviren infiziert. Das bedeutet aber nicht, dass alle mit einer dicken Lippe herum laufen, sondern es bedeutet zunächst einmal gar nichts, weil die allermeisten zwar das Virus in sich tragen, aber nicht erkrankt sind.

Bei Corona machen die Medien keinen Unterschied zwischen Infizierten und Erkrankten: Uns wird die Anzahl der Infizierten so präsentiert, als wären es Zahlen von Totesopfern. Tatsächlich bedeutet eine Corona Infektion erst einmal gar nichts. 80% derer, die das Virus in sich tragen, haben entweder gar keine oder zu vernachlässigende Symptome. Bei jeder anderen Infektion nennen wir diesen Zustand: Sie sind gesund. Nur 1,5% der „Infizierten“ brauchen eine medizinische Betreuung. Allerdings kann es sein, dass es ein noch viel geringer Prozentsatz ist, weil vermutet wird, dass sich noch viel mehr Menschen infiziert haben könnten (die überhaupt keine Symptome haben).
Es gibt ein Schlagwort aus der Medienbranche: „Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“. Damit ist gemeint, dass sich nur mit richtig üblen Katastrophenmeldungen Schlagzeilen machen lassen, die Menschen interessieren. „1000 Infizierte bei Tönnies“ klingt viel aufregender als von knapp 30 Erkrankten aus dem Umfeld von Tönnies zu berichten, die im Krankenhaus sind (8 davon auf der Intensivstation und nur 2 am Beatmungsgerät). Mit der Nachricht „2 Schwerkranke“ lässt sich keine Schlagzeile machen.

Durch die schräge Berichterstattung werden Menschen hysterisch und verrückt gemacht. Wenn Menschen im Nachhinein entdecken, dass die Panikmache nur von Medien und Politik kamen, dann entstehen Verschwörungstheorien und Protestdemos. Dabei lässt sich das ganz einfach umgehen: Durch die Wahrheit! Warum nicht von Anfang an die Wahrheit berichten? Dann verschwindet die Resignation wie von selbst und es entsteht Freude und Gotteslob. Es sind gar nicht so viele krank? Halleluja! Es sind viel weniger ernsthaft erkrankt als befürchtet? Gott sei dank!
Das scheinbar „verrückte“ Gotteslob wird dann zu etwas geradezu natürlichen. Solange Menschen immer nur auf Angst und Lüge starren, werden sie unlogisch, kopflos, irrational reagieren. Wen Angst und Lüge bestimmen, der kann sich nicht mehr besinnen auf Wahrheit und auf Mut. Wer aber offnen Auges sieht, was ringsum in der Welt geschieht, lobt alles, was Gott tut. Darum fordert der Psalmist sich selber auf, Gott zu loben: „Lobe den Herrn meine Seele“. 
Das Gotteslob wird mit der Erinnerung begründet: „und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“. Gott hat uns bereits unendlich viel Gutes getan. Wir aber neigen dazu, dieses Lob in schweren oder guten Zeiten zu vergessen.

Es kann geschehen, dass wir das Gotteslob in schweren Zeiten vergessen. Da kreisen die Gedanken um Corona oder eine eigene Erkrankung, um finanzielle und familiäre Sorgen oder Probleme am Arbeitsplatz. Vergiß jedoch nicht das Gotteslob in schweren Zeiten! Denn wie schlimm auch immer die eigene Lage sein mag: Gott ist dennoch des Lobes wert. 
Das ist ja sogar im zwischenmenschlichen Bereich so. Z.B. wenn es mir an einem Tag nicht besonders gut geht, weil ich krank bin. Wenn dann eine unserer Töchter von der Schule kommt und eine gute Note mit nach Hause bringt, dann lobe ich sie und freue mich darüber, obwohl es mir gerade nicht so gut geht. — Wieviel mehr bei Gott! Auch wenn es mir nicht gut geht, so ist er trotzdem lobenswert. Darum vergiss nicht, Gott in schweren Zeiten zu loben.

Vergiss auch nicht, ihn in guten Zeiten zu loben. So ermahnt uns Mose: „Wenn du nun gegessen hast und satt bist und schöne Häuser erbaust und darin wohnst … und alles, was du hast, sich mehrt, dann hüte dich, daß dein Herz sich nicht überhebt und du den HERRN, deinen Gott, vergißt, … Sondern gedenke an den HERRN, deinen Gott; denn er ist's, der dir Kräfte gibt, Reichtum zu gewinnen, …“ (5. Mose 8,12ff)
In Zeiten der Fülle und des Wohlstandes wie wir sie gerade jetzt in Deutschland haben, sind wir genauso in der Gefahr, das Gotteslob zu vergessen. Das stinkende Eigenlob vergisst keiner - das wohlriechende Gotteslob wird immer wieder vergessen. Wohlstand, Gesundheit, und Frieden haben wir nicht durch unseren Willen und eigene Kraft gewonnen. Vergiss nicht, dass Gott all dies geschenkt hat, vergiss nicht das Gotteslob.


Eine gesegnete Zeit wünscht Ihnen


Ihr Pfr. Mika J. Herold