Ev. Luth. Kirchgemeinde Pleißa

  

Andacht  

08.11.2020

In Deutschland ist seit Wochen Unruhe. Nicht solche Unruhen wie in anderen Ländern wie z.B. Belarus oder auch in den USA. Dort gibt es heftige Proteste, die bis hin zu Festnahmen und Gewaltszenen auf den Straßen führen. Gott sei Dank (und das meine ich wörtlich) gibt es dergleichen Ausschreitungen bei uns nicht.

Dennoch fehlt den meisten der innere Friede. Die Corona-Bestimmungen beeinträchtigen den Lebensalltag immer mehr. Die meisten sind müde. Manche hatten keinen Urlaub und kriechen auf dem Zahnfleisch. Die Nerven liegen blank.  

Wie wirken sich die Corona-Pandemie und die von staatlicher Seite ergriffenen Gegenmaßnahmen auf die Gesundheit der Deutschen aus? Die sogenannte Nako-Gesundheitsstudie hat dies untersucht. Laut einer Vorauswertung der Studie hat sich die mentale Gesundheit vieler Menschen durch den Lockdown im Frühjahr verschlechtert. Angst, Stress und Anzeichen von Depressionen haben Forschern zufolge zu Beginn des Lockdowns in Deutschland deutlich zugenommen.

Besonders groß sei die psychische Belastung in der Altersgruppe der 20- bis 40-Jährigen gewesen – und darunter vor allem bei Frauen bis Ende 30. Das sagte der Studienleiter für neurologisch-psychiatrische Erkrankungen, Klaus Berger, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Bei über 60-Jährigen hingegen habe man keine Zunahme von depressiven Stimmungen festgestellt.

Ist das nicht merkwürdig? Im Bezug auf Corona wird immer wieder von der Risikogruppe der über 60 Jährigen gesprochen. Doch gerade die älteren Mitbürger haben nachweislich nicht so viel psychische Probleme wie die jüngeren. Das lässt sich nicht mit den Zahlen begründen. Seit März bis zum heutigen Tag sind lediglich 10% der Infizierten ernsthaft erkrankt, knapp 50% sind ganz ohne Symptome. Andererseits sind es fast nur ältere, deren Todesfälle mit Corona in Verbindung stehen; 86% waren über 70 Jahre alt.

Bedrückt und verängstigt aber sind eher die Menschen mittleren Alters. Damit bestätigt die Studie eine Erkenntnis des antiken Philosophen Epiktet: „Nicht die Dinge beunruhigen die Menschen, sondern ihre Meinungen über die Dinge.“ Natürlich ist das Corona-Virus etwas scheußliches. Selbstverständlich ist es furchtbar, wenn Menschen schwer krank werden, leiden, oder sogar sterben müssen. Aber durch die fortwährende Auflistung von Horror-Meldungen wird es nicht besser, sondern noch schlimmer.

Man stelle sich eine Kleinstadt vor, in der es auf dem Wochenmarkt ganz normal zugeht. Plötzlich fährt ein weißes Fahrzeug vor. Es steigen drei von Kopf bis Fuß in Seuchenschutz-Gummianzügen vermummte Menschen aus. Dann gehen sie langsam über den Markt. Der Mann in der Mitte ruft durch ein Megaphon an seinem Luftfilter immer wieder: „Haben Sie keine Panik. Es ist alles in Ordnung.“ Die Vermummten links und rechts von ihm sprühen irgendetwas in die Luft.
Wer könnte ruhig bleiben, der eine solche Szene wahrnimmt? Ganz egal, was oder ob überhaupt etwas vorgefallen ist: Jeder auf dem Marktplatz wäre schockiert. Manche würden wegrennen, andere wären wie erstarrt, wieder andere würden gucken, was da los ist. Die angeblichen beruhigenden Worte würden eines nicht tun: Beruhigen.

Im Großen wird derzeit genau das gleiche getan: Es wird selten nüchtern berichtet, sondern emotional aufgeladen. Ein Interview mit einem Opfer. Die neuesten Horrorzahlen. Der Bericht eines Virologen. Die schlimmsten Todesfälle. Zum Schluß die Durchhalteparole der Kanzlerin oder des Präsidenten: „Haben Sie keine Panik.“ Diese Art und Weise macht alles nur noch schlimmer.

Viel notwendiger wäre es, zur Ruhe zu kommen. Mitten hinein in die unruhige Situation spricht die Wochenlosung dieses Sonntages einen Bibelvers aus der Bergpredigt: „Selig sind, die Frieden stiften …“ (Mt 5,9)

Frieden brauchen wir, und zwar zuerst einmal für die eigene Seele und das eigene Herz. Wir brauchen keine Panikmache und auch kein Aufhetzen, sondern Frieden. Allen voran brauchen diejenigen Frieden, die entweder unter Corona oder unter den Gegenmaßnahmen leiden. 

Aber wer könnte in einer solchen Situation Frieden stiften? Eine der schönsten Antworten liefert m.E. ein Lied, das Hedwig von Redern verfasst hat:

Weiß ich den Weg auch nicht, du weißt ihn wohl; 
das macht die Seele still und friedevoll. 
Ist's doch umsonst, dass ich mich sorgend müh, 
dass ängstlich schlägt mein Herz, sei's spät, sei's früh.

Du weißt den Weg für mich, du weißt die Zeit, 
dein Plan ist fertig schon und liegt bereit. 
Ich preise dich für deiner Liebe Macht, 
ich rühm die Gnade, die mir Heil gebracht.

Du weißt, woher der Wind so stürmisch weht, 
und du gebietest ihm, kommst nie zu spät, 
drum wart ich still, dein Wort ist ohne Trug, 
du weißt den Weg für mich, das ist genug.

Der innere Friede kommt nicht durch die Beseitigung der Umstände, sondern er entsteht dadurch, dass wir in Jesus Christus den haben, der den Weg kennt. Keiner weiß, wie es weitergehen wird. Das war schon immer so: Weder im Bezug auf Corona noch im Bezug auf andere Krankheiten oder auch freudige Familienereignisse wissen wir, was alles kommen wird. Das brauchen wir auch nicht, solange unser Herr und Heiland im Himmel weiß, wohin der Weg geht.

Vielleicht wäre das eine gute Aufgabe für die nächste Woche: Nicht dabei helfen, weiter Panik zu verbreiten, sondern stattdessen Herzen zur Ruhe führen. Denn das ist unsere Aufgabe als Gottes Kinder: „Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ (Mt 5,9)


Eine friedvolle Seele wünscht Ihnen


Ihr Pfr. Mika J. Herold